Schulische Schreiblesezentren anvisiert

Acht Gymnasien haben sich im Saarland mit meiner Begleitung auf den Weg gemacht, um durch Schüler*innen-Schreibberatung den Änderungen in den neuen Lehrplänen hin zu mehr Prozessorientierung bei Schreibaufgaben gerecht zu werden. Allerdings bleiben die in den Bildungsstandards vorgegebenen Aufgabenformate noch bis 2017 unverändert. Mit anderen Worten: materialgestütztes Schreiben (z.B. Reportage auf der Basis eigener Recherchen) steht jetzt als äußerst sinnvolle Ergänzung zum textbezogenen Schreiben (z.B. Erörterung einer literarischen Lektüre) im Lehrplan, es ist aber noch für weitere 2 Jahre nicht abiturrelevant.

Das ist ein interessantes Beispiel, welchen Verwerfungen Unterrichts- und Schulentwicklung gerade im Zusammenhang mit institutionellem Literacy Management, verstanden als die Art und Weise des Umgangs mit Informationen innerhalb einer Institution zum Zwecke der Textproduktion, rezeption und -distribution, ausgesetzt sind. Um so beeindruckender die Weitsicht dieser acht Schulen im Saarland, in der Personal- und Schulentwicklung bereits jetzt Impulse zu setzen, damit sich bis 2018, wenn die neuen Abiturformate in Kraft treten, eine neue Aufgaben- und Schreibkultur im Unterricht etablieren konnte.

Dass Veränderungen in der schulischen Schreibkultur sehr lange dauern, zeigt der Ist-Stand der bereits existierenden Schreiblesezentren im Saarland. Diese Einrichtungen wurden vor mehreren Jahren als Reaktion auf ein EU-Projekt des Freiburger Schreibzentrums von engagierten Personen aufgebaut. Zwar sind diese Einrichtungen an den Schulen durchaus noch physisch präsent, z. T. als imposante Räumlichkeiten (z. B. Gesamtschule Orscholz), aber diese Schreiblesezentren haben offensichtilich nach dem Weggang der Initiatoren an Momentum verloren und die Schreibkultur in den Fächern nicht wirklich nachhaltig verändert. Es bleibt zu hoffen, dass diese Einrichtungen angesichts der aktuellen Veränderungen in den Lehrplänen des Saarlandes nun eine zweite Chance erhalten und auch von der Entwicklungsarbeit der acht Gymnasien profitieren, die sich jetzt auf den Weg gemacht haben, die Schülerschreibberatung als Herzstück von Schreiblesezentren zu entwickeln.

7946581522_a9261f67e8_o1-300x300Ein spannendes Konzept für diesen Verstetigungsprozess prozessorientierter Schreibdidaktik im Fachunterricht entwickelte die Brecht-Schule in Hamburg, deren Steuergruppe “Schreiben bei Brecht” im Rahmen der von mir betreuten Literacy Management-Ausbildung eine fächer-und jahrgangsstufenübergreifende Schreibmappe in Form eines papierbasierten bzw. elektronischen Portfolios startete. Der Inhalt der Mappe entsteht durch Schreibaufgaben in den diversen Ausbildungsfächern der Jahrgangsstufen 5-10 und wird anhand von vorgegebenen Pflicht- und Wahlpflichtelementen von den Schüler*innen ausgesucht und für die Schreibmappen-Lesenden kommentiert. Auf diese Weise erhalten Schüler*innen, Lehrpersonen und Eltern jederzeit einen Überblick über die vom Lehrplan vorgegebenen und bereits absolvierten Meilensteine. Sie erhalten außerdem konkrete Informationen zur Qualität der aktuellen, individuellen Schreibkompetenz und zur Selbsteinschätzungsfähigkeit des jeweiligen Schülers/der jeweiligen Schülerin. Somit werden Stärken und Schwächen deutlich, auf deren Grundlage Peer-Feedback, Schüler-Schreibberatung oder Coaching durch die Lehrperson gezielt organisiert werden kann. Am Gelingen der Schreibmappe sind hier also nicht mehr nur einzelne Lehrpersonen aus dem Fach Deutsch interessiert, sondern alle Fachlehrer*innen, da sie konkret erleben können, wie sich die Weiterentwicklung der Schreibkompetenz auch auf die Lernfähigkeit im eigenen Fachunterricht positiv auswirkt.

About literacymanagement

Members of the ILM consortium will share news about their local ILM program and ongoing collaborative projects. Participants of the ILM certificate program are encuraged to collaborate with any partner or project.
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