EU-Projekt PREPARE: Reflexive Praxis als Brückenschlag zwischen Studium und Berufsfeld stärken

Bildung ist in vielen europäischen Ländern nach wie vor an einem bildungspolitisch und -kulturell geprägten Wissenskanon ausgerichtet und in dessen Umsetzung curricular orientiert. Die in den letzten Jahren propagierte individuelle Förderung von Lernenden im Rahmen kompetenzorientierter Bildung bleibt oft Wunschdenken. Ein Grund dafür besteht darin, dass Bildungseinrichtungen und Lehrende keine ausreichende Vorstellung von dem haben, was Lernende in einer bestimmten Ausbildungsphase individuell zu leisten vermögen, worin die in einem angezielten Handlungsfeld (Studium oder Berufsfeld) benötigten Kompetenzen bestehen bzw. wie die Personen, die in ein neues Handlungsfeld (Studium oder Beruf) eintreten, mit diesen Anforderungen situativ umgehen.

An dieser Stelle setzt das Projekt an. Es zielt auf der Basis von Videoanalysen, ePortfolioarbeit und learning analytics – das Sammeln und Auswerten von Informationen und Daten über das Handeln von Lernenden zum Zwecke der gezielten Optimierung des Lernens, Lehrens und der Lernumgebung – auf eine innovative Lösung für das eingangs benannte Problem fehlender Informationen zum Erkennen von Förderbedarfen in der Ausbildung. Dabei ist es unerheblich, ob diese individuellen Bedarfe von Lernenden, wie in diesem Projekt, in der Lehrerausbildung oder in der allgemeinen bzw. beruflichen Bildung lokalisiert werden müssen. Es entsteht also ein innovativer Lösungsansatz mit hohem Transferpotenzial, der angehende Lehrpersonen auch dazu befähigt, ihr professionelles Handeln auf sich ständig verändernde Anforderungen heterogener Lernergruppen einzustellen.

Im Zuge des Projektes wird eine internationale Campus-Lernplattform entwickelt und etabliert, bei der die Open-Source-Lösung Mahara mit dem Edubreak-Campus der Ghostthinker GmbH verbunden und um Learning-Analytics-Features erweitert wird. Die Plattform soll die Studierenden dabei unterstützen, die in Schulpraktika gesammelten Erfahrungen zu dokumentieren, analysieren und zu bewerten, um so ihre professionellen Lehrkompetenzen gezielt weiterzuentwickeln. Im Projekt entsteht ein Modell, das in einer ePortfolio-Anwendung Ansätze aus der Schreibdidaktik mit Konzepten der kooperativen Videoanalyse verbindet und dabei hilft, aus der Analyse der „Lernspuren“ Erkenntnisse nicht nur  für die Lernenden, sondern auch für die Lehrenden und die Bildungspolitik abzuleiten.

Meine persönliche Motivation, dieses Projekt zu initiieren und zu beantragen, bestand darin, die besonderen Möglichkeiten des so genannten forward looking-Programms der Europäischen Kommission für eine enge Kommunikation zwischen Forschenden und lokalen, regionalen und nationalen bzw. europäischen Bildungspolitiker*innen zu nutzen. Durch eine Einbindung dieser Personen in die alltägliche Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Projekts sollen sie hands-on erfahren, welchen Einfluss das Reflektieren, Kommentieren und Diskutieren von Videoaufnahmen ihres eigenen professionellen Handelns auf ihre Wahrnehmung, (Selbst-)Einschätzung und zukünftige Handlungssteuerung haben kann. Durch einen kritisch-analytischen Blick auf die aktuell marginale Rolle reflexive Praxis in Form von ePortfolioarbeit in Studium und Lehre im deutschsprachigen Bildungsraum werden die dringenden Entwicklungsbedarfe struktureller, methodisch-didaktischer und inhaltlicher Art deutlich werden. Eine im Projekt zu entwickelnde bildungspolitische Agenda zur Stärkung reflexiver Praxis in der Lehrer*innen-Ausbildung soll dazu beitragen, die o. g. Ausgangssituation nachhaltig zu verändern.

Weiterführende Informationen zum Auftakttreffen der Projektgruppe am Freiburger Schreibzentrum finden sich hier.

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About literacymanagement

Members of the ILM consortium will share news about their local ILM program and ongoing collaborative projects. Participants of the ILM certificate program are encuraged to collaborate with any partner or project.
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